Geflüchtete Menschen in Emmingen-Liptingen - Teil 1: “Das Hepferhaus“

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Wir möchten Ihnen im “Blättle“ in den nächsten Wochen immer mal wieder einen kurzen Überblick darüber geben, welche geflüchteten Menschen derzeit wo und wie in unserer Gemeinde leben und woher sie ursprünglich eigentlich kommen.

In diesem ersten Teil stellen wir Ihnen die Bewohner des Hepferhauses in der Herrenstr. 1 in Liptingen vor. Seit Juli letzten Jahres wohnen dort 8 junge Männer im Alter zwischen 18 und 28 Jahren aus dem westafrikanischen Gambia. Obwohl es sich bei Gambia, mit knapp 2 Millionen Einwohnern, um den kleinsten Staat auf dem afrikanischen Kontinent handelt, ist es in Deutschland das drittgrößte Herkunftsland afrikanischer Flüchtlinge. So leben derzeit ca. 14.500 gambische Flüchtlinge in Deutschland (Stand: 01.12.2016 / Focus Online). Gambia gehört den Vereinten Nationen zufolge zu den zwanzig ärmsten Ländern der Welt. Zudem wurde das Land über 22 Jahre lang als eine von Unterdrückung und Menschenrechtsverletzungen gekennzeichnete Diktatur geführt. Erst im Dezember letzten Jahres leiteten Neuwahlen einen überraschenden Machtwechsel in Gambia ein. In wie weit sich die Lebenssituation der Bevölkerung dadurch verbessern wird, und somit Fluchtgründe vor Ort beseitigt bzw. die Möglichkeiten einer Rückkehr für Flüchtlinge verbessert werden können, bleibt abzuwarten.

Die Bewohner des Hepferhauses sind alle seit ca. einem Jahr in Deutschland und kamen von Erstaufnahmestellen in Mannheim und Karlsruhe zunächst in die Gemeinschafts­unterkunft nach Neuhausen und schließlich im Sommer letzten Jahres zu uns nach Liptingen. Bereits wenige Wochen nach ihrer Ankunft in Liptingen wurde für die Geflüchteten ein Deutschunterricht im Alten Kindergarten durch ehrenamtlich engagierte Mitbürger organisiert. Auch bzgl. noch fehlender Einrichtungs­gegenstände im Hepferhaus konnte eine große Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung verzeichnet werden. Weitere Sachspenden, wie z.B. Fahrräder oder Fußballschuhe für die jungen Gambier, wurden schnell und unkompliziert organisiert. Denn rasch stellte sich heraus, dass Fußball zu den großen Leiden­schaften und auch Talenten der jungen Männer gehört. Und so trainieren sie nun allesamt in der Abteilung Fußball des Sportvereins. Seit Ende letzten Jahres besuchen 6 der 8 Bewohner nachmittags einen Deutschkurs in Neuhausen. Da sich herausstellte, dass die Busverbindungen zu den entsprechenden Uhrzeiten ziemlich unpraktisch sind, fanden sich schnell ehrenamtliche Helfer, die einen Fahrdienst organisierten. Von den anderen beiden Bewohnern besucht einer die Steinbeis-Schule in Tuttlingen. Ein weiterer konnte über ein Praktikum inzwischen eine Arbeitsstelle bei der Firma Adams Ricardo in Liptingen finden.

Um mit ihrer Heimat in Kontakt bleiben zu können, sowie zur Unterstützung beim Deutschlernen, der eventuellen Arbeitsplatzsuche etc., haben die Bewohner die Gemeinde gebeten, für sie einen Internetanschluss zu organisieren. Denn als Asyl­bewerber ohne Anerkennungsstatus können sie selbst keinen Vertrag abschließen. Seit Anfang des Jahres gibt es im Hepferhaus nun einen WLAN-Anschluss, der über einen speziellen Router der Freifunk Tuttlingen e.V. läuft, wodurch die Gemeinde vor einer eventuellen Störerhaftung geschützt ist. Die Kosten für den Internetanschluss tragen die Bewohner selbst. Jeder beteiligt sich mit 5 € monatlich.

Insgesamt fühlen sich die jungen Männer in Liptingen wohl. Sie bestätigen, die Leute seien freundlich zu ihnen und vor allem das Training im Fußballverein bereite ihnen viel Freude. Für die Hilfsbereitschaft und Unterstützung der ehrenamtlichen Helfer sind sie sehr dankbar. Wie lange sie allerdings in Liptingen bleiben werden, ist derzeit nicht abzusehen. Denn das Landratsamt Tuttlingen plant, das Hepferhaus von der momentanen Gemeinschafts­unterkunft des Landkreises in eine s. g. Anschlussunterbringung der Gemeinde umzu­wandeln, in der dann nur noch anerkannte Flüchtlinge untergebracht werden.

Für Rückfragen, Anregungen, Sachspenden, oder wenn Sie sich ehrenamtlich in der Flüchtlingsbetreuung engagieren möchten, können Sie sich gerne an die Jugendreferentin, Katrin Traichel, oder im Rathaus an Herrn Allweiler wenden.