Baustellen der Telekom in Liptingen

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In Liptingen werden derzeit an vielen Stellen die Gehwege aufgegraben; dabei handelt es sich nicht um Arbeiten der Gemeinde im Rahmen des Glasfaser-Breitbandausbaus, sondern die Telekom verlegt derzeit neue Leitungen zu ihren Verteilerkästen. Es handelt sich dabei um einen Ausbau im sogenannten FTTC-Standard, es werden also Glasfaserleitungen zu den Verteilerkästen verlegt. Die weitere Zuleitung zu den Häusern geschieht über die bereits vorhandenen Kupferleitungen.

Es erscheint sicherlich so manchem als Schildbürgerstreich, dass die Telekom aktuell dort Leitungen verlegt, wo die Gemeinde im Rahmen ihres Glasfaserausbaus Leitungen verlegen wird und deswegen den gleichen Gehweg in naher Zukunft nochmals aufgraben muss. Das sehen wir als Gemeindeverwaltung genauso!

Leider lässt sich diese Situation von Seiten der Gemeinde aus nicht ändern.

Vor einigen Jahren gab es immer mehr Beschwerden von Firmen und Bürgern über die unzureichende Internetversorgung in unserer Gemeinde. Aufgrund ähnlicher Situationen in den anderen Kreisgemeinden hat der Landkreis Tuttlingen zusammen mit allen Städten und Gemeinden die Breitbandinitiative BIT gegründet, damit alle Firmen und Privathaushalte im Landkreis Tuttlingen flächendeckend mit schnellem Internet versorgt werden. Erster Schritt war die Abfrage aller Breitbandbetreiber, ob sie in den nächsten Jahren Verbesserungsmaßnahmen planen. Dies wurde verneint bzw. nur gegen erheblichen Kostenersatz durch die Gemeinden hätten Verbesserungsmaßnahmen stattgefunden. Die Telekom hätte dabei Vectoring im FTTC-Standard durchgeführt; hierbei handelt es sich aus Sicht aller Fachleute um eine Lösung, die zwar die Internetanbindung aktuell verbessert, die aber keine zukunftsträchtige Lösung auf mittel- oder gar langfristige Sicht darstellt.

Aus diesem Grund hat die BIT mit Planungen für ein eigenes Glasfasernetz begonnen, bei dem die Glasfaserleitungen bis in alle Häuser hinein verlegt werden sollen; mit diesem FTTB-Standard sind Bandbreiten bis 1.000 Mbit/s möglich(auch symmetrisch) und später auch viel mehr, während das aktuell vorhandene DSL bei 16 Mbit/s seine Grenzen erreicht und mit Vectoring maximal 100 Mbit/s ermöglicht werden. Aus Sorge, dass bisherige DSL- Kunden zu der BIT abwandern könnten, hat nun die Telekom begonnen, ihr eigenes Netz mit dieser Vectoring-Technik zu verbessern, auch wenn dies bei der Abfrage durch die BIT noch verneint wurde. Hätte die Telekom bereits damals einen unentgeltlichen Ausbau der Leitungen in Aussicht gestellt, müssten der Landkreis und die Gemeinden nicht Steuergelder in Millionenhöhe aufwenden, um eine für sie neue und fremde Aufgabe anzugehen. Es ist ja keine primäre Aufgabe der Gemeinden, ein Glasfasernetz zu bauen. Diese Maßnahme ist nur mit Beratung durch Fachbüros und mit zusätzlich eingestelltem Personal möglich.

Die Telekom hätte uns nun zwar ermöglicht, bei der Baumaßnahme in Liptingen Leerrohre einzulegen, damit ein erneutes Aufgraben nicht nötig wird. Aber leider wurden uns die Pläne über die genauen Ausbaustellen in der Urlaubszeit überreicht mit dem Hinweis, dass die Arbeiten schon in zwei Wochen beginnen sollen. Damit reichte die Zeit nicht mehr aus, um eine Mitverlegung zu koordinieren. Leider, das wurde bei der Inbetriebnahme des Glasfasernetzes deutlich gesagt, ist die Telekom auch nicht verpflichtet, anderen Versorgungsunternehmen die Mitverlegung bei eigenen Grabungsarbeiten zu ermöglichen.

So kam es nun zu der volkswirtschaftlich unsinnigen und für die Bürgerinnen und Bürger belastenden Situation, dass Gehwege zweimal aufgegraben und wieder zugemacht werden müssen, da zum einen die Gemeinde Glasfaserleitungen zu den Wohnhäusern verlegt und die Telekom zum anderen ihre Verteilerkästen mit Glasfaser ausstattet.

Die Anwohner der Telekom-Baumaßnahme, denen gesagt wurde, es würde sich um Baumaßnahmen der Gemeinde handeln, können wir an dieser Stelle beruhigen: Sie haben keinen Anschluss an das Glasfasernetz verpasst. Bevor die Gemeinde Leitungen verlegt, werden alle Eigentümer der betroffenen Grundstücke persönlich angeschrieben und angefragt, ob sie einen Anschluss haben wollen. Allerdings werden wir noch einige Jahre brauchen, um alle Gebäude nacheinander anzuschließen; diese Arbeiten werden die Gemeinde geschätzt etwa 10 Millionen Euro kosten. Wir müssen also mehrere kleinere Abschnitte bilden, damit der Ausbau überhaupt finanziert werden kann.